Wenn Unbehagen der richtige Weg ist…
Warum echte Intuition uns nicht immer Sicherheit schenkt
Es ist wichtig, genau hinzuschauen, ob wir einem Impuls in uns, unserem Bauchgefühl oder unserer Intuition wirklich vertrauen können. Denn in uns wirken Mechanismen, die oft vor allem einem Zweck dienen: uns in der Komfortzone zu halten. Wir entscheiden dann anhand vergangener Erfahrungen, Vorstellungen und erlernter Kriterien darüber, was sich richtig oder falsch anfühlt. Doch der wahre Impuls des Lebens zeigt sich oft anders. Er kann etwas in uns hervorrufen, das unpassend erscheint, herausfordernd wirkt und uns aus unserer gewohnten Sicherheit herausführt.
In dem Moment, in dem wir beginnen, in diese Richtung zu schauen oder einen ersten Schritt zu setzen, entsteht häufig Unbehagen. Und genau dieses Unbehagen bringt uns oft dazu, wieder zurückzugehen. Wir erzählen uns dann, dass es nicht unser Weg sei, dass unsere Intuition dagegen spricht oder dass es sich doch eigentlich gut und leicht anfühlen müsste, wenn es wirklich richtig wäre. Und so weichen wir aus.
Doch das Leben ist hartnäckig! Es bringt uns immer wieder an dieselbe Schwelle und fragt erneut, ob wir vielleicht doch bereit sind, etwas zu wählen, das sich zunächst schwierig oder unpassend anfühlt. Genau an dieser Schwelle ist es wichtig, wachsam zu werden und ehrlich hinzuschauen:
Was zieht mich dorthin?
Was wartet dort auf mich?
Und wie stehe ich innerlich wirklich dazu?
Welche Stimmen in mir sind dafür und welche dagegen?
Was kämpft in mir für Sicherheit und möchte dem Weg der Unsicherheit und des Nichtwissens ausweichen?
Und wo verhindere ich dadurch vielleicht genau die Möglichkeit, die das Leben eigentlich für mich bereithält?
Dieser innere Dialog kann helfen, Wahrheiten zu erkennen. Denn oft möchte eine dieser Stimmen vor allem Recht behalten. Hinter diesen Stimmen stehen jedoch Instanzen in uns, die uns helfen können, einen authentischen und wahrhaftigen Weg zu gehen. Hinter jeder Instanz liegen Kräfte verborgen. Wenn diese Instanzen jedoch gegeneinander kämpfen und jeder für sich den Anspruch von “gewinnen wollen” hat, stehen uns diese Kräfte am Ende nicht oder nicht vollständig zur Verfügung.
Dieser innere Kampf kann sich auf viele Arten zeigen. Zum Beispiel durch ein Wechselspiel zwischen Täter und Opfer in uns. Der Täter wird laut, zweifelt uns an, kritisiert und fragt: Wer bist du überhaupt? Bist du gut genug? Weißt du genug, um diesen Weg zu gehen? Gleichzeitig zieht sich das Opfer zurück, wird klein, ohnmächtig oder erstarrt. Und dann kippt es wieder in die andere Richtung. Das Opfer beginnt zu kämpfen, will sich befreien und erhebt sich gegen den Täter. So wird der innere Ball immer weiter hin und her gespielt. Doch hinter beiden Seiten liegen Kräfte, die gesehen werden wollen. Wenn wir beginnen zu erkennen, was wirklich hinter diesen Stimmen steckt, entsteht endlich die Möglichkeit, nicht länger gegen uns selbst zu kämpfen. Dann kann etwas in uns still werden und Frieden finden. Kräfte, die zuvor gebunden waren, stehen plötzlich zur Verfügung. Und manchmal wird es sogar möglich, diese inneren Gegensätze auf Herzensebene zusammenzuführen und zu erkennen, was jenseits dieses Kampfes eigentlich da ist. Dort finden wir das authentische Selbst.
Wenn wir beginnen, dieses Prinzip in uns zu erkennen, aufmerksam in diese Richtung zu schauen und zu verstehen, kann etwas Neues entstehen. Die Stimmen werden stiller. Wir schenken ihnen nicht so viel Glauben. Klarheit kommt zum Vorschein. Und Kräfte entwickeln sich, die uns zur Verfügung stehen, um neue Wege zu gehen, wie auch immer diese aussehen mögen. Die größte Herausforderung ist die Ungewissheit und der Kontrollverlust gegenüber dem, was das Leben selbst uns entgegenbringt.
Für mich hat das mit einer höheren Intelligenz zu tun, mit der Intelligenz des Lebens selbst, die jenseits von Verstand und Ego Wege sucht, um sich zu zeigen und uns unseren wirklich authentischen Seelenweg erkennen zu lassen. Ich möchte Mut machen, diesen inneren Stimmen zuzuhören, den Dialog wahrzunehmen und ernst zu nehmen. Die Instanzen dahinter zu erkennen und zu benennen mit all ihren Facetten. Denn oft liegt das größte Problem darin, dass wir uns mit etwas identifizieren, das wir glauben zu sein. Aus dieser Identifikation heraus treffen wir unsere Entscheidungen. Wir haben aber immer genau diese “Identifikationsbrille” auf unserer Nase.
Manchmal kann es notwendig sein, diese Brille
abzulegen und sich ehrlich zu fragen:
Bin ich wirklich das, was ich glaube zu sein, oder gibt es etwas, was größer ist in diesem Spiel des Lebens?
An der eigenen Identität zu rütteln, kann Angst machen, weil jede Form von Sicherheit ins Wanken gerät. Doch genau darin kann etwas zum Vorschein kommen, das wahrhaftiger ist als alles, was zuvor da war.
Ich wünsche jedem Menschen, der das liest, den Mut, sich Schritt für Schritt auf diesen Weg einzulassen. Das Leben zeigt uns, was es bedeutet, wirklich im Flow mit ihm zu sein: mit einer höheren Form der Intelligenz!
Andrea