Es gibt nicht das EINE Weibliche!
Seit Wochen spüre ich den inneren Ruf, wieder einmal einen Raum für Frauen zu öffnen. Schon vor längerer Zeit war ich gemeinsam mit meinem Mann Thomas an der Mariengrotte bei Pflaumheim. Dieser wundervolle Platz mitten im Wald hat mein Herz sofort berührt. Schon damals entstand in mir der Gedanke, wie schön es wäre, Frauen genau hier zusammenzubringen, um diesen besonderen Ort zu ehren und gemeinsam Zeit in Verbundenheit zu verbringen.
In den vergangenen Wochen wurde dieser Impuls immer stärker. Immer wieder kam in mir die Einladung auf, sich in den frühen Morgenstunden an diesem kraftvollen Ort zu begegnen. Gemeinsam wollen wir mit dem Thema Weiblichkeit in Verbindung gehen, innehalten und die Vielfalt unseres Frau-Seins bewusst wahrnehmen und wertschätzen.
Aus diesem Herzensimpuls heraus ist ein kleines Seminar entstanden.
In diesem Jahr fügt sich alles auf ganz besondere Weise, denn wir können uns am Festtag Mariä Himmelfahrt begegnen. Dass dieser Tag auf einen Samstag fällt, ist für mich ein wunderbares Geschenk. So dürfen wir uns früh am Morgen im Wald treffen und diesen besonderen Tag in einer Atmosphäre der Stille, der Natur und der Verbundenheit beginnen.
Ich bin von Herzen dankbar, meinen inneren Impulsen folgen zu können und Räume zu öffnen, in denen Erfahrungen im weiblichen Herzen möglich werden. Räume, in denen wir uns erinnern, begegnen, uns gegenseitig stärken und die tiefe Verbindung zu uns selbst und zueinander neu entdecken dürfen.
Frauenkreis zum Marienfest: „Die Vielfalt der Weiblichkeit“
15. August 2026, Maria Himmelfahrt
“Ihr wundervollen Frauen,
wir treffen uns in der Stille des frühen Morgens, noch bevor der Alltag laut wird. Es ist der Tag von Mariä Himmelfahrt. Ein Tag, der in alten Traditionen als der große ‚Frauentag‘ gefeiert wird.
Maria steht sinnbildlich für die weibliche Urkraft, für Hingabe, Intuition und das Wunder des Himmels auf Erden. Die Legende besagt, dass an ihrem Grab Blumen und Kräuter lagen und der Duft von blühenden Kräutern verströmt wurde. Das Binden der Kräuter an diesem Tag erinnert uns daran, dass auch in unserem Leben alles, was heilt und nährt, tief verwurzelt sein darf.
Lasst uns diesen Morgen nutzen, um uns mit der nährenden Energie der Natur zu verbinden. Atmet tief ein. Spürt eure eigene Kraft, eure Wurzeln in der Erde und eure Sehnsucht nach dem Himmel. Möge dieser Tag ein Neubeginn sein, um das Eigene zu entfalten, Heilung zuzulassen und unsere weibliche Mitte zu stärken.
Wir Frauen sind vielfältig. Maria steht heute nicht für ein starres Ideal. Sie erinnert uns vielmehr: Es gibt nicht das eine Weibliche!
Weiblichkeit hat tausend Facetten. Sie ist wild und sanft, laut und leise, empfangend und kraftvoll erschaffend. Jede von uns bringt ihre ganz eigene, einzigartige Facette mit in diesen Kreis. Jede von uns verkörpert das Weibliche auf ihre ganz eigene Weise. Und genau in dieser Vielfalt liegt unsere kollektive Kraft.
Weiblichkeit lässt sich nicht definieren oder begrenzen. Sie fließt, sie verändert sich, sie bricht alte Muster auf. Lasst uns an diesem Morgen genau diese Vielfalt feiern:
Keine von uns muss einem bestimmten Bild entsprechen. Du bist willkommen genau so, wie du bist.
Wenn wir über die unendliche Vielfalt des Weiblichen sprechen, reisen wir in Gedanken weit zurück zu den Wurzeln der Menschheit. Schon im alten Ägypten wusste man, dass das Weibliche zu groß ist, um nur ein einziges Gesicht zu haben. Dort ehrte man die Göttin Isis. Ihr tiefster, kraftvollster Beiname lautet: Die Göttin der 1.000 Namen. Sie wurde so genannt, weil die Menschen sie wirklich erkannten. Sie ist nicht nur die Sanfte, nicht nur die Wilde, nicht nur die Heilerin oder die Königin. Sie ist alles zugleich. Sie passt in keine Form. Genau wie Isis tragen auch wir heute diese tausend Namen, diese tausend Gesichter in uns. Jede Facette, die heute in uns wach ist, ist ein Teil dieses großen, heiligen Ganzen. Isis ist das Urbild der Nährung: Sie wird oft dargestellt, wie sie ihren Sohn Horus stillt. Diese Bildsprache der liebenden, nährenden Muttergöttin war so kraftvoll, dass sie im frühen Christentum eins zu eins auf die Ikonographie von Maria mit dem Jesuskind übertragen wurde.
Am Tag der Kräuterweihe schauen wir in die Natur und sehen: Jedes Kraut heilt anders, jede Blume blüht anders. Genauso ist es mit uns. Es gibt nicht das eine Weibliche. Wir sind keine Kopien eines einzigen Ideals. Die eine bringt heute die Ruhe mit, die andere die Wildheit, die nächste die Verletzlichkeit. Erst zusammen ergeben wir das ganze, kraftvolle Bild wie ein bunt zusammengesetzter Blumenstrauß, welcher die Gesamtheit des weiblichen Herzens symbolisiert.
Möge dieses Ritual in den frühen Morgenstunden eine liebevolle Erinnerung daran sein, wer du wirklich in deiner Tiefe bist!”
Andrea